Implizite Annahmen finden

Implizite Annahme

Implizite Annahmen finden ist auf den ersten Blick nicht leicht. Was implizite Annahmen sind, habe ich bereits auf dem Blog für Sie zusammengestellt. In diesem Artikel möchte ich Ihnen nun einen Einblick geben, wie ich implizite Annahmen finden kann.

Das gemeine an den impliziten Annahmen ist, dass wir diese nicht so einfach und leicht finden können. Das versteht sich von selbst, da sie ja implizit sind, also nicht explizit von Ihnen in Ihre Gedanken und Überlegungen mit einbezogen werden. Also benötigen wir einen Weg, diese impliziten Annahmen finden zu können! Dazu müssen wir etwas bei der Erstellung unserer Bäume berücksichtigen.

Implizite Annahmen finden – so gehen Sie vor!

Nehmen wir ein einfaches Beispiel. Wir haben einen unerwünschten Effekt, einen Zwischeneffekt und auch zwei Gründe. Diese sind mit einander verbunden, wie wir im folgenden Bild auch sehen können.

Implizite Annahmen finden

Ich nehme bewusst ein einfaches und vielleicht offensichtliches Beispiel, zeige daran folgende die Argumentation.

Zunächst scheint das alles logisch zu sein, ist es unter Umständen auch. Um aber zu prüfen, ob wir einer impliziten Annahmen erlegen sind, hilft folgendes Vorgehen.

Das Verfahren, damit Sie implizite Annahmen finden, basiert darauf, die Grund-Ursache-Beziehung zwischen zwei Entitäten laut vorzulesen. Das nutzen Sie in analogen Bäumen als primäres Werkzeug. Lesen Sie immer die Entitäten und die Grund-Ursache-Beziehungen laut vor. Egal ob Sie den Baum für sich alleine erstellen oder aber mit mehreren Teilnehmern im Workshop sind. Gerade als Moderator kommt Ihnen dort eine besondere Rolle zu.

Wenn Sie Flying Logic benutzen, können Sie jetzt die Funktion Edge Annotations benutzen, um implizite Annahmen zu dokumentieren. Wenn Sie einen analogen Baum benutzen, können Sie es entweder beim lauten Vorlesen belassen, oder aber Sie nutzen auch hier kleine Klebezettel an den Grund-Ursache-Beziehungen.

Schauen wir uns nun das Beispiel an und nehmen die erste Grund-Ursache-Beziehung zwischen dem Grund und dem Zwischeneffekt. Hier lesen Sie immer

weil [GRUND] & Ihre [ERKLÄRUNG] in klaren Worten, folgt daraus [ZWISCHENEFFEKT].

Sie werden dann alleine beim Sprechen merken, ob es einen Sinn gibt, was Sie eben gesagt haben. Dazu ist es wirklich zwingend nötigt, dass Sie es laut vorlesen, damit Sie Ihren eigenen Worten folgenden können. Gehen wir nun exemplarisch einmal durch, was es für implizite Annahmen geben könnte. Da das ein Beispiel ist, ich das System nicht kenne und auch der einzige Stakeholder bin, sieht eine Interpretation bei Ihnen wahrscheinlich wieder anders aus.

weil ich einen Vertrag mit dem Kunden unterschrieben habe und unser Büro abgebrannt ist, sind unsere Arbeiten nicht rechtzeitig fertig geworden.

Wenn wir uns das nun genau ansehen, fällt auf, dass wir auch dann nicht fertig geworden wären, wenn wir den Vertrag nicht unterschrieben hätten. Der primäre Treiber ist also das Abbrennen unseres Büro. Wir könnten für unseren Kunden auch ohne Vertrag arbeiten. Diese Entität ist für mich also deshalb zwingend notwendig, da ich daran festmache, dass es überhaupt den Kunden gibt.

weil wir mit unseren Arbeiten nicht rechtzeitig fertig geworden sind, muss unser Unternehmen einen Konventionalstrafe zahlen

Implizite Annahmen finden habe ich mir nun bei meiner Analyse auf die Fahnen geschrieben. Schauen wir doch gemeinsam auf die möglichen Resultate.

Implizite Annahmen finden im Beispiel

Vielleicht macht es bei dem Beispiel „klick“, vielleicht war es für Sie klar. Um der möglichen impliziten Annahme „Dieser Vertrag erhalt auch die Zahlung einer Konventionalstrafe“ ist elementar – so wäre es ja denkbar, dass keine enthalten ist. Je nach dem mit welchem Background Sie auf das Beispiel schauen, sagen Sie jetzt „ja klar“ oder „stimmt, gar nicht im Blick gehabt“. Letztes kann dann zu einem Denkfehler führen. Bei der zweiten impliziten Annahme ist es erforderlich, dass der Kunde auch Gebrauch von dem Recht macht.

Beim Implizite Annahmen finden wachsam sein

Bleiben Sie wachsam! Ja, das Beispiel ist einfach und vielleicht war es Ihnen klar. Aber genau da liegt der Punkt. Ihnen! Im Workshop bei der Erstellung der Bäume ist es wichtig, dass alle Stakeholder des System das gleiche Verständnis haben – nicht nur Sie. Wenn diese Annahmen visualisiert und offen auf dem Tisch liegen, dann wird auch Ihr Baum erfolgreich!

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Christiane Kilian - Oktober 11, 2016 Reply

Ich halte in den umliegenden Volkshochschulen einen Vortrag, dessen Inhalt ich auch mit der TOC erarbeitet habe. Deshalb erläutere ich am Anfang auch die TOC. Als Beispiel nehme ich immer, dass mir Frauen erzählen, dass sie keine Zeit haben, weil ihre Eltern pflegebedürftig sind. Im Coaching mit der TOC wird dann deutlich, dass nicht die pflegebedürftigen Eltern Grund für den Zeitmangel sind, sondern z.B. dass sie die einzige Tochter ist oder die einzige, die in der Nähe wohnt, dass sie sich ihren Eltern verpflichtet fühlt, dass sie keine Ahnung vom Hilfesystem und den Finanzierungsmöglichkeiten hat, … Das sind auch alles die impliziten Annahmen, die sich durch die „Wenn … dann …“Sätze entdecken lassen. Denn: „Wenn meine Eltern pflegebedürftig sind, dann habe ich keine Zeit“ ist so schlichtweg Blödsinn!

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