Beispiel: Einsatz der Wolke zur Konfliktanalyse und -lösung

Dilemma-Wole Evaporation-Cloud Wolke Titel

Die Wolke (Evaporation Cloud)

Die Wolke (englisch Cloud oder Evaporating Cloud) dient immer dazu, einen Konflikt zu analysieren und zu lösen. Ob dieser Konflikt zwischen Personen, Organisationen, Regeln, Kennzahlen oder nur in meinem Inneren besteht, ist für die Anwendbarkeit irrelevant.

Einige konkrete Anwendungsmöglichkeiten der Evaporation Cloud

Die Wolke kann in einer Vielzahl von Situationen angewendet werden, z.B.

  • Als Einzelperson zur Lösungsfindung und Entscheidung in einem Dilemma (innerer Konflikt, „Dilemma-Wolke“)
  • Zur Analyse und Lösung von Konflikten (als betroffene Person oder auch als Mediator)
  • Für die prägnante Darstellung einer Konfliktsituation vor Entscheidern (Eskalation)
  • Zur Identifikation und Anpassung nicht funktionaler Regeln („Feuer“ nachhaltig löschen)

In diesem Artikel geht es um das Thema zwischenmenschliche Konfliktanalyse und -lösung.

Wir haben zwei Personen, die etwas Gegensätzliches wollen.

Die Wolke unterstützt uns dabei, aus der akuten „Kampfsituation“ heraus zu treten und den Konflikt rational zu betrachten.

Beispiel für eine Wolke

Sie sind Projektleiter und sind bereits mitten in der Projektausführung. Ein wichtiges Projektmitglied (Martin) erscheint immer weniger konzentriert und nimmt immer öfter an Besprechungen nicht teil. Sie sprechen mit ihm und finden heraus, dass das zweite große Projekt, in dem Martin mitarbeitet, sehr viel seiner Zeit benötigt und er deswegen in Ihrem Projekt weniger intensiv mitarbeiten kann. Sie haben in Ihrem Projektplan aber natürlich mit Martin gerechnet! Sie beschließen also, mit der Projektleiterin des anderen Projekts (Petra) zu sprechen.

Der Konflikt ist klar: jeder will Martin im eigenen Projekt einsetzen, um das eigene Projekt erfolgreich zu machen. Doch die Darstellung hilft zu sehen, dass Sie und Petra im selben Boot sitzen: Sie wollen gemeinsam – mit dem gesamten Projektportfolio – das Unternehmen erfolgreich machen.

Dilemma-Wolke

Die Dilemma-Wolke im Einsatz

Eine der Grundannahmen der Theory of Constraints ist, dass Konflikte nicht naturgegeben sind, sondern immer aufgrund zumindest einer falschen Annahme bestehen. Der nächste Schritt ist daher, die Details des Konflikts genauer auszuarbeiten und diese fehlerhafte Annahme zu finden. Dazu lesen Sie jeden Pfeil mit seinen Kästchen links und rechts vom Ziel ausgehend und auf der Seite Ihres Gegners beginnend folgendermaßen vor:

„Um zu erreichen, dass [unsere Firma erfolgreich ist], müssen wir [den Erfolg von Petras Projekt] sicherstellen, weil…“ Was auf das „weil“ folgt, sind Annahmen, schreiben Sie sie zunächst ohne Zensur auf und sammeln Sie so viele Ihnen einfallen! Dasselbe tun Sie für alle anderen Pfeile.

Konflikt Wolke Annahme

Anmerkung: In diesem Fall sind die Annahmen auf beiden Seiten dieselben, das kann geschehen, wenn die Bedürfnisse beider Seiten (mein Projekt ist erfolgreich) sehr ähnlich oder gleich sind. Meistens sind sie jedoch unterschiedlich, weil die Bedürfnisse unterschiedlich sind (z.B. Gesund sein – Spaß haben).

Zum Schluss sammeln Sie die Annahmen an der Konfliktstelle: „[Martin in Petras Projekt einsetzen] und [Martin in meinem Projekt einsetzen] sind (speziell für uns) in Konflikt, weil…“ oder „Der Konflikt ist unlösbar, weil…“

  • Martin ist mit beiden Projekten überlastet.
  • Die Qualität von Martins Arbeit leidet.

Heben Sie die stärksten Annahmen/Argumente jedes Pfeils hervor. Zumindest eine dieser Annahmen (möglicherweise mehrere) müssen Sie mit Ihrer Lösungsidee falsifizieren, um den Konflikt zu lösen.

Hinterfragen von Annahmen

Dazu hinterfragen Sie die Annahmen: „Wirklich?“ „Was könnten wir tun, damit es nicht (mehr) wahr ist?“ Machen Sie freies Brainstorming und denken Sie „out of the box“: „Wo ist diese Annahme nicht wahr?“ Suchen Sie aktiv nach verrückten Lösungen! Das regt Ihre Kreativität an und hilft dabei, mentale Einschränkungen abzulegen.

Einige Lösungsansätze, die aus den Annahmen im Beispiel entstehen könnten:

  • Annahme: Mein/Petras Projekt trägt signifikant zum Erfolg der Firma bei.

„Wirklich?“ Ja. (wir entscheiden uns dagegen, die Entscheidung des Managements, das Projekt zu starten, zu hinterfragen.)

  • Annahme: Martin hat für den Erfolg des Projekts wichtige Fähigkeiten.

„Wirklich?“ Ja, es gibt niemanden anderen im Unternehmen, der diese Fähigkeit hat. „Was könnten wir tun?“

Lösungsansatz:

=> Wir schlagen Martins Linienmanager vor, Martin zur Unterstützung und zum Lernen seiner Fähigkeiten eine zweite Person beizustellen.

  • Annahme: Ohne Martin geht das Projekt schief.

Lösungsansätze:

=> Wir finden einen Weg, wie wir Martin in einem der beiden Projekte nicht (ständig) brauchen.

=> Wir finden einen Weg, wie Martin beide Projekte unterstützen kann.

  • Annahme: Martin ist mit einem Projekt voll ausgelastet.

Lösungsansätze:

=> Wir weisen Arbeitspakete, die auch jemand anderer machen kann, anderen Projektmitgliedern zu.

=> Wir schlagen Martins Linienmanager vor, Martin zur Unterstützung und zum Lernen seiner Fähigkeiten eine zweite Person beizustellen.

=> Wir prüfen, ob es möglich ist, die Projekte so zu staffeln, dass Martin immer nur an einem Projekt arbeiten muss.

  • Annahme: Martin wird zu negativem Multitasking gezwungen.

Lösungsansätze:

=> Wir teilen uns Martins Zeit auf, jede Woche unterstützt er ein anderes Projekt.

=> Wir stimmen unsere beiden Projektpläne so ab, dass Martins Arbeitspakete hintereinander gestaffelt sind und er sich immer voll auf eine Projektaufgabe konzentrieren kann.

Aus den gefundenen Lösungsansätzen wählt man dann einen oder eine Kombination aus, die am besten geeignet erscheint, und prüft sie auf folgende Kriterien:

  • Wenn wir diese Lösung umsetzen, dann erfüllen wir damit beide Bedürfnisse
  • Wenn wir diese Lösung umsetzen gefährden wir das Ziel nicht, sondern helfen es besser zu erreichen
  • Wenn wir diese Lösung umsetzen, sind alle Beteiligten zufriedener als sie es gewesen wären, wenn sie ihre jeweilige Handlungsoption („want“) durchgesetzt hätten.

Lösungsmöglichkeit der Dilemma-Wolke

Wenn Sie diese erste Prüfung bestanden hat, verifizieren Sie die Lösung, indem Sie die Lösungswolke aufbauen und Annahmen aufdecken: „Wenn wir [Martin durch die zeitliche Abstimmung und Staffelung seiner Projektaufgaben über unsere beiden Projekte entlasten], dann [wird Petras Projekt erfolgreich], weil…“

Evaporation-Cloud

Eine Lösung für die Evaporation-Cloud

Wenn Sie beide mit der Lösung zufrieden sind, ist sie bereit zur Umsetzung (oder Weiterbearbeitung, falls Sie zuerst mögliche negative Seiteneffekte analysieren wollen).

Mit der Konfliktwolke ist eine rationale Bearbeitung emotionaler Konflikte möglich, da die Sichtweise von „Wir gegeneinander“ auf „Wir gemeinsam gegen das Problem“ verschoben und gegenseitiges Verständnis im Konflikt geschaffen wird.

Das Werkzeug kann zur Konfliktlösung zwischen zwei Personen, Gruppen und auch Abteilungen genützt werden. Probieren Sie es einfach mal aus!

Dilemma-Wolke Vifstem Win-Win-Lösungen

  • Wollen Sie Ihr Wissen zu den TOC Denkwerkzeugen vertiefen?
  • Wollen Sie sie geübter werden in der praktischen Anwendung?
  • Die nächsten Workshop-Termine in Deutschland:
  • 02.11.2016 – 04.11.2016 TOC Denkwerkzeuge: Grundlagen

Tipp

Alle Teilnehmer der genannten Seminare erhalten kostenlos das Arbeitsbuch „Win-Win-Lösungen“! Mit diesem Arbeitsbuch erlernen und üben Sie die Anwendung der Wolke für Konflikte, Dilemmata und Feuer (Konflikte zwischen Regeln und der Realität in Organisationen).

Autor

Ein Gastartikel von Hannah Nowak, VISTEM. Ich habe den Gastartikel auf meinen Webseiten veröffentlicht, da ich die Kollegen von VISTEM kenne und wir bereits Projekte gemeinsam gemacht haben. Ich kann die Kollegen uneingeschränkt mit Ihrer TC Kompetenz empfehlen und freue mich daher sehr, Ihnen einen Artikel auf meinen Webseiten anbieten zu dürfen!

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